07. Jul 2010
Blog: Ein Reisebericht
In Burgdorf im schönen Niedersachsen war am Mittwoch das erste Konzert mit Dorothea - und wir alle waren sehr nervös und nur von einer Frage gefesselt: - Gauck oder Wulff? Das Ergebnis des letzten Wahlganges wurde vor den Zugaben veröffentlicht, so dass wir für das Publikum das waren, was der Bundestagspräsident für die Volksversammlung ist: Verkünder des Wahlergebnisses. Dieses stieß übrigens beim niedersächsischen Publikum auf geteiltes Interesse, wenn man den loriot-artigen Applaus ("Meine Schwester heißt Polyester..." für Kenner der Materie) in dieser Weise deuten darf; etwa drei Applaudierende und darauffolgende große Heiterkeit bei allen Anwesenden verblüfften uns doch.
Das Konzert zeigte aber, dass a) Dorothea ein würdiger Ersatz für die werdende Mutter Anja ist, dass b) wir in den Monaten zuvor fleißig genug geprobt hatten (alles andere hätte aber auch wirklich überrascht), und dass c) offenbar nicht alle Niedersachsen rundum zufrieden mit ihrem ehemaligen Ministerpräsidenten sind. Schlimm ist das freilich nicht.
Reise am nächsten (also Donners-) Tag nach Freiburg/Breisgau, wo noch am Abend die erste Probe mit unseren Freunden vom Ràscher Saxophone Quartet (nachfolgend RSQ genannt) stattfand, denn große Dinge standen an: Die Aufzeichnung des "Big Rip. A Science fiction cantata" von Mathew Rosenblum am Samstag, und die Uraufführung von "Le jardin de memoire" von Michael Denhoff am Sonntag. Über den Inhalt der beiden Stücke sei hier aufgrund von Rahmensprengungsgefahr nichts gesagt (insbesondere für den Big Rip bräuchte man einen eigenen Eintrag hier, in dem man sich detailliert mit Astrophysik beschäftigen müsste - das machen wir vielleicht später mal...); aber es sei erwähnt, dass beide Stücke wirklich wunderschön sind, sehr unterschiedlich und keinesfalls langweilig (für alle Musiker und Zuhörer).

Am Freitag dann weiterhin Probe mit RSQ und abends im Studio des SWR Mikrofoneinrichtung für die Aufnahme, die samstags geplant war. Ereignisse warfen freilich ihre Schatten voraus - allen Beteiligten war klar, dass die Aufnahmen 16 Uhr abgeschlossen sein mussten: Anstoß Argentinien-Deutschland! (Falls Sie, lieber Leser, nun enttäuscht sein sollten - Ein Fußballspiel sollte doch die künstlerische Arbeit nicht beeinflussen! - oder Angst bekommen, man hätte mit aller Macht 16 Uhr Schluss gemacht: Keine Sorge. Wir waren rechtzeitig fertig, und auch der Komponist selbst, der mit freundlichen Argusaugen die Aufnahmen verfolgte, bestätigte den Erfolg der Aufnahme.) Daher begann die Aufzeichnung auch schon neun Uhr früh, und wir konnten nach getaner Arbeit in Ruhe das Spiel verfolgen und das tun, was man bei solch einem Spiel nunmal tut.

Schließlich am Sonntag dann in einem Marathon-Konzert (über 21/2 Stunden!) in Maulbronn die erwähnte Uraufführung, eine weitere Aufführung des Big Rip und vieles mehr. Anspruchsvoll und (wie der Autor dieser Zeilen meint) unbedingt wiederholenswert war es; und muss man noch erwähnen, dass es großen Spaß machte, mit RSQ zu musizieren? Ich denke nicht. Man sieht es hier:

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